| Jahrgang 2 (1998), Heft 1 | 15. März 98 |
i n f o s - Z e i t u n g
Offizielle Zeitung des Informatik Forum Stuttgart e. V.
Bisher spielte sich die Anerkennung studentischer Leistungen innerhalb der wissenschaftlichen Abteilungen ab. Absolvent(inn)en erhielten ihre Zeugnisse und Urkunden mit einem eingeschriebenen Brief, und die Fakultät nahm hiervon kaum Notiz. Bereits auf der 25-Jahr-Feier im Februar 1996 haben viele Anwesende angeregt, die Diplomanden und Doktoranden in einer jährlichen Veranstaltung herauszuheben. Der Vorstand des Informatik Forums Stuttgart hat daher im September eine solche Feier konzipiert und der Fakultät angeboten, bei der Organisation mitzuwirken.
Damit diese erste Absolventenfeier noch während der Vorlesungszeit stattfinden kann, wobei die stets überlasteten letzten beiden Vorlesungswochen ausgespart werden sollten, hat die Fakultät als Termin Freitag, den 23.1.98 festgesetzt. Es blieben nur wenige Monate, um einige hundert Studierende, die Mitglieder von infos und Freunde der Fakultät anzuschreiben und um möglichst viele noch auf Halde liegende Diplomarbeiten zu bewerten und Urkunden fertigen zu lassen. Allerdings war die Zeit zu knapp bemessen, und so wurden anstelle mancher echten Urkunde "Stellvertreter" geschrieben, die bei der Feier vom Studiendekan übergeben wurden. Als Festredner wurde Prof. Dr. Gerhard Barth, Vorstandsmitglied der SEL Alcatel AG Stuttgart (und seit dem 1.1.98 Präsident der Gesellschaft für Informatik), gewonnen. Das Rahmenprogramm übernahm die Fachschaft.
Anfang Januar herrschte noch große Skepsis über den Erfolg der Veranstaltung, denn es hatten sich bis zum 9.1.98 erst knapp 20 Personen angemeldet. Doch dann konnte ein exponentielles Wachstum beobachtet werden, welches zu rund 250 Anwesenden führte.
Trotz oder wegen der noch nicht vorhandenen Erfahrung wurde es eine denkwürdige Feier. Den festlichen Teil moderierte Prof. Ludewig anstelle des erkrankten Studiendekans. Zu Beginn, im Mittelteil und am Ende spielten Frau Nicola Hoenle (Spinett) und Frau Daniela Nicklas (Altflöte) Musikstücke von Corelli und Telemann; hierbei traten sie in historischen Barock-Gewändern auf und gaben der Feier eine unverwechselbare Atmosphäre. Prof. Barth zeigte in seinem Festvortrag den Übergang in die Berufswelt auf. Zunächst bekannte er, keine Patentrezepte für den Einstieg in ein Unternehmen zu kennen. Auch treten die Themen, an denen die Industrie Interesse habe, meist gegenüber der Persönlichkeit zurück; aber wenn man schon Schwerpunkte nennen solle, dann seien es heute die Entwicklung von Software, die Behandlung großer Datenmengen, der Umgang mit musterverstehenden Systemen und Kenntnisse über Netzwerke. Diese vier Bereiche füllte Herr Barth mit konkreten Inhalten aus und betonte, eine gute Theorie sei für die Praxis von großem Vorteil. Mit Hinweisen zum Dienstleistungsbereich, zu den Anwendungen und zur angemessenen Präsentation beendete er seinen mit langem Beifall bedachten Vortrag.
Danach wurden die Diplome von 134 Diplomand(inn)en des Jahrgangs 1997 verlesen und an die anwesenden Absolvent(inn)en überreicht. Der Botschaft des Dekans, daß es keiner Rede zum Übergang in die neue Berufswelt bedürfe (weil die Betroffenen fast alle schon während des Studiums im Arbeitsleben standen und der Verein infos für die künftige Verbundenheit mit der Fakultät zur Verfügung steht), folgte die Ehrung der 15 Doktoranden des Jahrgangs 96 und der 4 Doktoranden und 3 Doktorandinnen des Jahres 1997. Anschließend überreichte Prof. Barth drei Alcatel-Handies an die drei besten Absolventen Andreas Bergen, Ralf Reißing und Gerald Vogt der letzten zwei Jahre. Prof. Hieber ehrte mit einem Geldpreis Herrn Dr. Helbig, der die beste Abschlußnote bei den Promotionen der vergangenen zwei Jahre erzielt hatte. Einen Einblick in die Absolventenfeiern, wie sie in den USA gepflegt werden, gab Herr Mario Aleksic im Master-Talar des Georgia Institute of Technology.
Erste Kontakte konnten während des Essens von 18 bis 19 Uhr geknüpft werden. Kurz danach begann die zweistündige Schau der Fachschaft mit vielen Musikeinlagen, Sketchen (z.B. die neue Serie Poolwatch, eine Buchbesprechung von Reich-Ranitzki, Boris Becker und Helmut Kohl, Fernsehnachrichten usw., auch der Matthias-Richling-Ersatz Jochen Ludewig wurde integriert) und einer Zaubernummer. Es war ein Fernsehspaziergang durch die Welt des Studiums, der Unterhaltung und der Kultur, der die Zuschauer in Bann hielt und stürmischen Applaus hervorrief. Es war beeindruckend zu sehen, welches Engagement die Studierenden im und neben dem Studium entfalten und wie brillant sie ihre Darbietungen vortragen.
Nach 21 Uhr waren zunächst das Foyer und später die Kantine noch lange mit vielen Grüppchen gefüllt. Gegen Mitternacht verließen die letzten Personen das Gebäude. Wir freuen uns auf die Folgeveranstaltung, die am 23.4.99 ebenfalls im Informatikgebäude stattfinden wird. Stellvertretend für die Stimmung sei aus einer e-mail nach dem Fest zitiert: "...Wenn es in den nächsten Jahren gelingt, an den Erfolg dieser Feier anzuknüpfen, bin ich sicher, daß der Tag der Informatik tatsächlich zu einer Tradition wird."
Gefördert wurde der Tag der Stuttgarter Informatik von
Diesen Firmen ein herzliches Dankeschön. Ein besonderer Dank geht an die vielen Helferinnen und Helfer, allen voran Prof. L. Hieber, der die Vorbereitung und Organisation geleitet hat.
Fotos vom Tag der Stuttgarter Informatik können hier betrachtet werden.
Die Fakultät Informatik ehrte am 14. Januar Herrn Prof. Endres, seit langem Honorarprofessor der Fakultät Informatik, der im Dezember 1997 sein 65. Lebensjahr vollendet hat. Herr Endres hat in den 50er Jahren Vermessungskunde in Bonn studiert und ist von 1957 bis 1992 einer der leitenden Mitarbeiter der Firma IBM gewesen. Herr Endres hat in den 70er Jahren zwei Jahre lang am Institut für Informatik gearbeitet und während dieser Zeit seine Promotion angefertigt. Seit damals ist er der Informatik an der Universität Stuttgart eng verbunden geblieben, zunächst als Lehrbeauftragter und ab 1982 als Honorarprofessor. Er hat bei der IBM sehr viele Entwicklungsprojekte im Bereich der Systemsoftware erfolgreich geleitet (vor allem Betriebssysteme und Übersetzer). Er hat sich aber nie auf die Durchführung von Projekten beschränkt, sondern in diversen Veröffentlichungen die dahinter stehenden Methoden herausgearbeitet und neue Vorgehensweisen nutzbar gemacht. Von 1993 bis 1997 hatte Herr Endres vier Jahre lang den Lehrstuhl für Systemsoftware und Informationssysteme an der Technischen Universität München inne. In dieser Zeit leitete er zugleich das bekannte Projekt "MeDoc" (Multimediales Dokumentensystem), in dem erprobt wurde, wie Bücher, Skripten, Filme und andere Informationen in Rechnernetzen gespeichert, aufbereitet, zugänglich gemacht und finanziell abgerechnet werden können. Bereits kurz nach der Gründung konnte infos Herrn Endres als Mitglied begrüßen.
Der Dekan der Fakultät, Prof. Claus, überreichte Herrn Endres im Namen der der Informatik einige Flaschen Medoc-Wein (Medoc heißt die Weinlandschaft nordwestlich von Bordeaux) und einen Erinnerungsband an New York, wo Herr Endres zu Beginn der 60er Jahre gearbeitet hatte. Auch infos wünscht Herrn Endres alles Gute zum Geburtstag und weiterhin viel Erfolg bei seinen Vorlesungen und Projekten, die er unermüdlich vorantreibt.
Anschließend infos Stammtisch.
Das Kolloquium der Fakultät Informatik findet in der Regel dienstags von 17 bis 18.30 Uhr im Hörsaal 3 des Informatikgebäudes statt. Verantwortlich ist Prof. Diekert (Tel.: 7816-328).
Im gleichen Hörsaal werden jeweils am ersten oder zweiten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr die gemeinsamen Vorträge des German Chapter of the ACM und der Regionalgruppe Stuttgart/Böblingen der Gesellschaft für Informatik gehalten. Verantwortlich hierfür ist Herr E. Jaus, CSC Ploenzke AG, Zettachring 2, 70567 Stuttgart (jaus@compuserve.com). Der nächste Vortrag findet statt am 6.5.98.
Frühzeitiger Hinweis: Am 11. August 1999 sollten Sie in Stuttgart bleiben. In der Zeit von 11.13 Uhr bis 13.57 Uhr (Sommerzeit) findet hier eine totale Sonnenfinsternis statt. Ab 12.34 Uhr herrscht für 137 Sekunden völlige Finsternis. Die Zentrallinie des Mondschattens auf der Erde verläuft fast genau durch das Informatikgebäude! Die Totalitätszone ist rund 100 km breit, aber auf der Zentrallinie natürlich am eindrucksvollsten. Wir hoffen auf klaren Himmel, um die Sonnenkorona und viele Sterne genau sehen zu können. infos plant für diesen Tag ab 14.30 Uhr ein besonderes Treffen seiner Mitglieder im Informatikgebäude; auf Wunsch können auch Vorträge am Vormittag stattfinden. Falls Sie nicht Zeuge dieses seltenen Schauspiels sein können, so notieren Sie sich schon jetzt den Termin für die nächste Sonnenfinsternis, die in Stuttgart beobachtet werden kann: 14. Juni 2151.
Weitere Informationen (insb. Deutschlandkarte mit Totalitätszone) finden Sie unter http://www.informatik.uni-stuttgart.de/sternwarte/.
Am 7. Februar bestand das Computermuseum der Fakultät Informatik genau ein Jahr. Im Sommer 1996 billigte der Fakultätsrat die Einrichtung eines kleinen Museums. Nach etwa 6 monatiger Vorarbeit wurde es dann im Februar 1997 eröffnet. Ziel ist es, die Geschichte der heutigen modernen Datenverarbeitung möglichst weit in die Vergangenheit zurück nachvollziehbar zu machen. Das hat natürlich Grenzen: Zum einen wurden die Computer der 1. und der 2. Generation (Röhren und Transistoren) nur in sehr geringer Stückzahl gebaut, und zweitens waren sie, nachdem sie technisch überholt waren, wegen ihrer Größe sehr schnell lästig und wurden fast alle verschrottet. Nur einige wenige davon haben in den 'großen' Museen überlebt, und fristen dort meist ein tristes Dasein hinter Plexiglas ohne daß sich jemand bemüht, die Maschinen wieder zum Leben zu erwecken. Im Gegensatz dazu, versucht das Fakultätsmuseum, möglichst viele der ausgestellten Geräte im Betrieb zu zeigen.
Am Institut für Informatik in der Abteilung Computersysteme unter Prof. Burkhardt hatten sich im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte eine ganze Reihe interessanter Rechnersysteme angesammelt. Teils waren das in der Abteilung selbst entwickelte Computer, teils 'kondensierten' die Rechner auch aus anderen Abteilungen und Instituten, wurden zunächst einfach aufbewahrt und seit Mitte der 80-er Jahre jeweils am Tag der offenen Tür vorgeführt. Nach der Emeritierung von Prof. Burkhardt mußte für diese inzwischen im EDV-Maßstab z. T. schon sehr antiken Geräte eine neue Unterkunft gefunden werden. Das Ergebnis ist das Computermuseum.
Im Laufe des vergangenen Jahres wuchsen die Bestände durch Leihgaben und Sachspenden deutlich an.
Die Exponate: Mechanische Rechenmaschinen von einem Burkhardt-Arithmometer aus dem 19. Jh. bis zu 'modernen' Miniaturrechenmaschinen Curta und Alpina, die bis in die siebziger Jahre des 20. Jh gebaut wurden.
Elektronische Tischrechner vom Röhrenrechner der 1. Computergeneration über Transistorrechner (2. Generation) bis zu den Vorgängern der Mikroprozessoren (3. Generation). Natürlich ist auch ein 'echtes' i 4004 - System, sowie weitere frühe Mikroprozessorsysteme zu sehen.
Echte Computer: Telefunken Analogrechner RAT 740 von 1963, klassische Minicomputer wie PDP-8, erste Mikroprozessor Entwicklungs- systeme (intellec 8), verschiedene CP/M-Systeme bis zum Ur-PC 5150 der Firma IBM (MSDOS 1.1, Cassettenrecorderanschluß!). Auch der erste Personal-Computer des Institut für Informatik, ein IBM 5100 ist ausgestellt.
IBM 5100 - der erste PC am IfI
Peripheriegeräte: Eine Teletype ASR33, ein Tektronix Graphikterminal 4015 oder ein Votrax Speechsynthesizer. Es sind auch viele Module, z. B. eine Baueinheit aus einer Zuse Z22, Kernspeicher und Ultraschall-Laufzeitspeicher zu sehen. Nicht zu sehen ist die Sammlung der Software, Betriebssysteme, Compiler, Interpreter und Anwenderprogramme.
Die räumliche Enge zwingt leider dazu, die Geräte sehr gedrängt nach Größe und nicht nach Entstehungszeit geordnet auszustellen, was dem Museum eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Adventskalender gibt.
Das Museum befindet sich im Raum 0.111 im Informatikbau in der Breitwiesenstr. 20-22. Geöffnet ist jeden Dienstag zwischen 16.15 und 18.30 Uhr, Sonderführungen nach Vereinbarung. Aus Platzmangel ist die Besucherzahl allerdings auf etwa 10 Personen beschränkt.
Eine Führung kann, entsprechende Geduld der Besucher vorausgesetzt, leicht über zwei Stunden gehen, wobei vielleicht ein Drittel der vorhandenen Maschinen eingeschaltet und vorgeführt werden.
Eine rudimentäre WWW-Page existiert auch, sie kann über http://www.informatik.uni-stuttgart.de/ifi/cs/cm.html erreicht werden. Die Pflege einer Web-Seite ist zeitaufwendig, daher geht der Aufbau nur langsam voran, und die wichtigste Information der Seite besteht in der Mitteilung von eventuellen urlaubsbedingten nicht-Öffnungstagen.
Der Titel "Aktive Exploration mittels Sensor/Aktor-Kopplung für adaptive Meß- und Prüftechnik" klingt nicht gerade für jedermann und jederfrau verständlich. Untersucht wird hier, wie die Anpassungsfähigkeit der optischen Meß- und Prüftechnik an die Meß- bzw. Prüfaufgabe erhöht und das Einsatzspektrum dieser berührungsfreien Meßtechnik erweitert werden kann. Dies soll zum einen durch den adaptiven, zielgerichteten Einsatz der Sensoren und zum anderen durch die Kombination verschiedenartiger Sensoren erreicht werden. Bisher werden für Einzelfälle hochspezialisierte Meß- und Prüfeinrichtungen mit festen Prüfprogrammen entwickelt, die sich nicht an situationsorientierte Meßbedingen (z.B. Beleuchtung) anpassen können. Dies ist jedoch bei geringen Stückzahlen meist teuer und unwirtschaftlich. Die Grundidee besteht nun darin, viele Teillösungen in einer globalen Lösung zu integrieren, wobei sich einzelne Teillösungen in selbstorganisierender Weise (Multiagentensystem) an die jeweiligen Meß- und Prüfaufgaben anpassen und dadurch die Ergebniserfassung optimieren. Diese Vorgehensweise wird als aktive Exploration bezeichnet.
An dem SFB sind sieben Institute der Universität Stuttgart beteiligt. Sprecher ist Prof. Dr. Paul Levi von der Fakultät Informatik.
Aktueller Mitgliederstand im März 1998: 170. Der Vorstand bittet erneut alle Mitglieder, weitere Mitglieder für das Informatik Forum Stuttgart zu gewinnen.
Logo für infos
Der Vorstand hat sich nach längerer Beratung für ein vorläufiges Logo
entschieden:
infos (Schriftart Arial Black)
Für den Entwurf des Logo sind keine Kosten entstanden. Ein Vorteil ist, daß sich das Logo leicht im laufenden Text, z.B. innerhalb eines Briefes hervorheben läßt. Der Vorstand konnte bei seiner Entscheidung zahlreiche Vorschläge von infos Mitgliedern einbeziehen. Für die Unterstützung möchte sich der Vorstand sehr herzlich bedanken.
Das Software-Labor wurde beendet. Am 29.11.97 wurde das drei Jahre lang geförderte Software-Labor der Universität Stuttgart (Sprecher: Prof. Claus, Geschäftsleitung: W. Reissenberger; Projektleiter waren die Professor(inn)en Heilmann, Kern, Kühn, Ludewig, Plödereder, Reuter, Rühle und Schmidt) mit einem Abschlußkolloquium im Senatssaal weitgehend beendet. Es ist unbestritten, daß ein universitäres Software-Labor viele heute notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln und den Umgang mit Systemen und Werkzeugen allen Fakultäten zur Verfügung stellen könnte und sollte. Doch dies muß nun neu überdacht und geplant werden.
Aktueller Stand der Einsparaktion: Die Fakultät Informatik wird gegenüber dem Jahre 1996 mindestens 13 Stellen bis zum Jahre 2006 abgeben müssen; 4 Stellen aus dem Überlastprogramm sind bereits gestrichen, weitere 2 folgen im Jahre 1998.
Internationale Studiengänge: Überall wird über internationale Studiengänge (Bachelor, Master) diskutiert. In Stuttgart widmet sich diesem Thema eine Podiumsdiskussion am 31.3. ab 16.45 Uhr (Keplerstr. 17); der Fakultätentag wird Mitte Mai in Lübeck zu diesem Thema eine Sondersitzung durchführen.