| Jahrgang 1 (1997), Heft 1 | 15. Oktober 97 |
i n f o s - Z e i t u n g
Offizielle Zeitung des Informatik Forum Stuttgart e. V.
Professor Walter Knödel umriß in seinem humorvollen Vortrag die Zeit der ersten 1500 Diplomarbeiten. Er berichtete über die Bedingungen in jenen Zeiten, in denen die ersten Diplomarbeiten entstanden und mit welchen Themen sich diese beschäftigten. Zugleich führte er aus, daß nach seinen Recherchen wegen der damals häufigen Quereinsteiger die Diplomarbeit mit der Nummer 1 nicht unbedingt auch die erste Diplomarbeit war.
Anschließend referierte Professor Gunzenhäuser über die kommenden 1500 Diplomarbeiten, die zwar rasch angestrebt werden, die aber eventuell nicht mehr zustande kommen, wenn nämlich eine europöische Angleichung der Studiengänge erfolgen und das Diplom durch den Magister (Master) ersetzt werden sollte. In einem solchen Fall würde es eine letzte Diplomarbeit an der Fakultät geben und die Zählerei würde für die Master-Arbeiten von vorne beginnen.
Stellvertretend für alle bisherigen Diplomand(inn)en überreichte der Dekan, Prof. Claus, Herrn Tilman Walker für seine Diplomarbeit mit der Nummer 1500 ein 1500er-Puzzle mit den zwei Anmerkungen, daß zum einen beim Zusammensetzen die große Zahl 1500 wesentlich plastischer zum Ausdruck käme und zum anderen ein Puzzle doch nur eine andere Form des Data Minings sei (mit diesem Thema hatte sich diese Diplomarbeit befaßt).
Hier eine kleine Statistik der Entwicklung der Diplomandenzahlen, die teilweise noch auf Schätzungen beruht und in den nächsten Monaten korrigiert und aktualisiert werden soll (die Summe der folgenden Zahlen lautet "größer 1479")
Entwicklung der Diplomandenzahlen
| bis 1980: | rund 200 | 1985: | 63 | 1990: | 107 | 1995: | 110 |
| 1981: | 27 | 1986: | 96 | 1991: | > 80 | 1996: | > 100 |
| 1982: | 35 | 1987: | 59 | 1992: | 110 | bis 31.7.1997: | ca. 50 |
| 1983: | 31 | 1988: | 58 | 1993: | 108 | ||
| 1984: | 59 | 1989: | 73 | 1994: | 113 |
Der Vorstand bittet daher alle Mitglieder, weitere Mitglieder für das Informatik Forum zu gewinnen.
Der frühere Vorstandvorsitzende der GMD, Herr Prof. Dr. G. Seegmüller, beschrieb in seinem Vortrag die Arbeitsbedingungen der 60er Jahre, berichtete über Herrn Lagallys damalige Tätigkeiten und Arbeiten (Herr Lagally hatte Physik studiert und war erst durch die Beschäftigung mit den frisch aufkommenden Rechnersystemen zur Informatik gelangt), skizzierte seine Persönlichkeit durch Begebenheiten und Anekdoten und gab einen Ausblick in die "Sache der Informatik".
Prof. Dr. E. Lehmann, Geschäftsführender Direktor des IfI, hob Herrn Lagallys Verdienste für die Stuttgarter Informatik, sein Engagement für Studium und Lehre und seine weltweit beachtete Entwicklung des Texteditors ArabTeX für arabische Schrift hervor. Prof. Dr. V. Claus überreichte Herrn Lagally im Namen der Fakultät einige Bücher über arabische Kalligrafie und über Astronomie, Gebiete, für die er sich neben der Musik und anderen Bereichen ebenfalls stark interessiert.
Anschließend ehrten Prof. O. Eggenberger, S. Schimpf, T. Schöbel-Theuer und B. Ziegler (Mitglieder der Abteilung "Betriebssoftware") Herrn Lagally durch musikalische Darbietungen, persönliche Beiträge und Sketche über seine Alltags-Tätigkeiten, seine Eigenheiten und seine Menschlichkeit.
| 24. Oktober 1997 ab 16.00 Uhr |
infos-Veranstaltung zum Thema Unternehmensgründer im Bereich der Informatik. Referenten: Dr. W. Heilmann, INTEGRATA, und Dr. A. Mahling, ARS NOVA. Ort: Informatikgebäude. |
|---|---|
| 26. November 1997 ab 16 Uhr |
öffentlicher Vortrag über Zertifizierungen (ISO 9000 usw.) in der Lehre, im Rahmen der Mitgliederversammlung des Informatik Verbund Stuttgart. Ort: in einem Hörsaal der Elektrotechnik, Pfaffenwaldring 47. |
| 29. November 1997 von 9 bis 13 Uhr |
Abschlußveranstaltung des Software-Labors der Universität Stuttgart mit Podiumsdiskussion zum Thema Verbesserung des Technologietransfers im Softwarebereich. Ort: Senatssitzungssaal, Keplerstraße 7. |
| 04.Dezember 1997 ab 18.15 Uhr |
infos-Abend mit der Generalprobe der Nikolausveranstaltung. Ort: Informatikgebäude. |
| 23. Januar 1998 ab 16.00 Uhr |
Erste Absolventenentlassungsfeier der Fakultät Informatik. Festredner: Prof. Dr. G. Barth, Alcatel SEL. Ort: Informatikgebäude. |
| 30. März 1998 bis 1. April 1998 |
Tagung der Gesellschaft für Informatik und der Universität Stuttgart über Informatik und Ausbildung. Teilnahme kostenpflichtig, Anmeldung bei Prof. Claus. Ort: Keplerstraße 17. |
| 1. April 1998 ab 17.00 Uhr |
Zweite Mitgliederversammlung des Informatik Forum Stuttgart e. V. Ort: Gebäude Keplerstraße 17. |
Im gleichen Hörsaal werden jeweils am ersten oder zweiten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr die gemeinsamen Vorträge des German Chapter of the ACM und der Regionalgruppe Stuttgart/Böblingen der Gesellschaft für Informatik gehalten. Verantwortlich hierfür ist Herr E. Jaus, CSC Ploenzke, Zettachring 2, 70567 Stuttgart (jaus@compuserve.com). Den nächsten Vortrag hält am 5. November um 19 Uhr Herr Dr. Hoffmann über Strategien der SAP bei der Ankopplung von Zusatzsoftware.
Der Staat muß sparen und gibt diese Auflage an alle seine Behörden weiter. Die Universitäten haben in den letzten 25 Jahren aber trotz doppeltem Studentenaufkommen kaum Personal hinzubekommen; sie wehren sich massiv gegen Kürzungen. Ergebnis der Verhandlungen ist der baden-württembergische "Solidarpakt" vom Frühjahr 97, nach dem die Universitäten als solidarischen Beitrag des allgemeinen Sparens innerhalb von 10 Jahren 10%, d.h. jährlich 1% ihres Stellenbestandes abbauen. So werden in Baden-Württemberg 3000 Stellen, darunter 265 Stellen an der Universität Stuttgart eingespart. Im Gegenzug werden die Universitäten von allen weiteren zu erwartenden Kürzungen verschont.
Parallel hierzu hat der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst eine Hochschulstrukturkommission eingesetzt, die zur Zeit alle Fächer durchleuchtet und Empfehlungen zum Abbau von Studiengängen und Stellen gibt.
Die Universität Stuttgart hat im Mai 1997 beschlossen, diese Einsparungen nicht gleichmäßig an die Fakultäten weiterzugeben, sondern nach deren derzeitiger und zu erwartenden Auslastung vorzugehen, wobei jede Fakultät einen solidarischen Beitrag von 7% und maximal einen Beitrag von 21% erbringen soll.
Heutige Beschlußlage: Im April 97 empfahl die Hochschulstrukturkommission, die Informatik an den vier Universitäten Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen und Ulm zusammen um 10% zu reduzieren. Die Universität Stuttgart beschloß vor kurzem eine 7%-ige Kürzung für die Fakultät Informatik, die zur Zeit über knapp 100 Landesstellen verfügt. (Vermutlich fallen noch sogenannte k.w.-Stellen weg, aber das kompliziert die Lage nur noch.)
So entsteht folgende absurde Situation: Die Informatik ist mit Studierenden bestens ausgelastet, ihre Absolvent(inn)en können sich trotz der allgemeinen Arbeitslosigkeit im Schnitt unter vier Angeboten eines aussuchen, und die Fakultät wird nicht etwa ausgebaut, sondern verkleinert. (Konkret handelt es sich um mindestens 6,5 und höchstens 16,5 Stellen gegenüber dem Stellenbestand am 31.12.1996.)
Vielleicht ein Vergleich: Wenn Sie eine Firma besitzen, die Fahrräder und Mofas herstellt, und nach Fahrrädern herrscht eine sehr hohe Nachfrage, aber von den Mofas können Sie nur 50% Ihrer Produktion verkaufen, was werden Sie tun? Wenn Sie privatwirtschaftlich organisiert wären, wäre die Antwort klar. Aber als Staatsbetrieb bauen Sie 21% bei der Mofa-Produktion ab und reduzieren "aus Solidarität" 7% der Fahrradproduktion. "Nun darf man", so sagt man, "den Ausbildungsbereich, in dem üblicherweise in Jahrzehnten gedacht wird, nicht mit einer flexibel reagierenden Firma vergleichen, ...", aber: Warum eigentlich nicht?
Der Fakultät Informatik, die die Diplomstudiengänge "Informatik" und "Softwaretechnik" durchführt und viele Vorlesungen und Übungen für andere Studiengänge abhält, tut jede Stelle weh, die ihr genommen wird, weil sie bereits mit dem heutigen Personal nicht alle erforderlichen Lehrveranstaltungen anbieten kann. So besteht die Befürchtung, daß der Modellstudiengang Softwaretechnik, in dem die Fakultät bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt, in den nächsten Jahren wieder eingestellt werden muß.
Wenn dieser Fall allerdings eintreten sollte, dann wird man der Universität wiederum vorwerfen können, daß sie auf die Bedürfnisse der Gesellschaft nicht reagiere und zukunftsorientierte Reformen nicht durchführe. Doch wer in einer Hochschule arbeitet, weiß, daß Prognosen von mehr als einem Jahr sich rasch als hinfällig erweisen und man besser ein Jahr abwartet statt zu weissagen.
Diese Zeitung wird das Informatik Forum Stuttgart über die weitere Entwicklung auf dem laufenden halten.